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Parking Lot at San Diego International Airport” - the original motion picture soundtrack of one of the first Open Source movies, for which Bechholds had to quit with the traditional European performance rights organization to make this Free Culture movie happening.
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ELIZA

 
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Mit Endgeschwindigkeit durch die Staaten brettern / Interview Open Source Film

Dem BEAT Magazin haben Tom und ich neulich ein lustiges Interview gegeben:

Wie kam es zu „Route 66“? Wie habt Ihr die Dreharbeiten in Erinnerung?

Stefan: „Route 66“ handelt von diesem verrotteten Oldtimer, den ich an der US-Westküste von einem schäbigen Typen gekauft hatte. Wie ich beim Kauf feststellen musste, hatte der Cadillac keinerlei Papiere, aber immerhin ein Nummernschild, er war also auf irgend jemand zugelassen und darauf kam es an. Der Wagen war einer der letzten amerikanischen V8-Klassiker und ich hatte vor, damit ein viertel Jahr durch die Staaten zu touren. Ich hatte eine Art Rückkaufgarantie vereinbart und musste zurück an die Westküste – auf diesen Cross Country-Trip lud ich zwei Freunde aus Deutschland ein, die prompt ihre Kameras mitbrachten. Was dann folgte war ein zweiwöchiger Kampf zwischen Mensch und Maschine, aus dem wir auf einer Schotterpiste in der Wüste New Mexicos schliesslich als Verlierer hervor gingen.

Der Film hat 30.000 Euro gekostet. Woher kam das Geld für die Finanzierung damals?

Stefan: Von unseren Girokonten, Kreditkarten und Altersvorsorgen. Anders wäre der Film nicht entstanden, man stelle sich nur mal den Kreditantrag vor:

„Ich plane, mit einem baufälligen, roten 400 PS Cabrio zweimal mit Endgeschwindigkeit quer durch die Staaten zu brettern. Gefilmt wird im Handkamera-Gonzo-Stil, das hat noch keiner so probiert, aber wenn wir den Film dann später im Netz verschenken, können Sie sicher mit einer Rückzahlung des Kredites rechnen. MfG, Stefan Kluge – Besitzstandsloser“

Oder den Filmförderantrag:

„Wir planen da dieses Filmprojekt, dass in seiner formellen Ausführung den Status Quo der Filmindustrie ad absurdum führt und auch von Ihrem Institut eine völlige Neuorientierung erfordert. Wäre nett, wenn Sie das möglich machen. MfG, Stefan Kluge – Quereinsteiger“

Als Ihr dann die Rechte für den Film abklären wolltet, kamen von Industrie und GEMA negative Bescheide. Was hätte der „reguläre“ Weg, diesen Anweisungen Folge zu leisten, für Euch konkret bedeutet?

Stefan: Tom trat für den Film damals extra aus der GEMA aus, was gar nicht so einfach war. Andernfalls hätten wir für jeden Download unseres Films von unserem eigenen Server mit unserer eigens für diesen Film produzierten Musik eine GEMA-Gebühr gezahlt. Das wäre ein gepflegter sechsstelliger Betrag gewesen, von dem er dann nach Abzug der Verwaltungsgebühr und nach Anwendung eines undurchsichtigen Verteilerschlüssels, der freundlicherweise auch Michael Jackson und DJ Bobo berücksichtigt, später ein Bruchteil zurück bekommen würde. Das kam mir besonders absurd vor, weil ich mit der Unterhaltungsindustrie vorher nichts zu schaffen hatte. Aber es wurde noch unverschämter: Wie man uns bei einem Major Label mitteilte, würden wir entweder gezwungen sein, sämtliche Populärmusik aus der Soundkulisse des Films zu entfernen, oder wir müssten dafür die Rechte klären. Und da rede ich von dreissigsekündigem Hintergrundkrächzen in gefühlten 4-Bit bei 11kHz. Rechte klären hieße übrigens in diesem Zusammenhang: Rechte an unserem Film in grobem Umfang abzugeben und das beträfe gestalterische Recht (Popkultur bitte immer schön weichspülen), Verwertungsrechte (kein freier Download, kein Open Source Footage). Kurz gesagt, man holt sich jemanden an den Tisch, den man nicht mal in seinem Haus haben möchte. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, das tangiert auch die Meinungsfreiheit. Du kannst heute kaum noch dokumentarisch filmen, ohne dass dir copyright-geschützte Werke in Deinen Bild und Ton reinstrahlen. Im Hintergrund ist immer ein Fernseher, Radio oder ‘nen CDU-Werbeplakat.

Kurzfristig hat dann der MDR noch 30.000 angeboten, die Ihr aber abgelehnt habt. Standen diese denn unter einem Vorbehalt?

Stefan: Wir hätten die Exklusivrechte am Footage abgeben müssen, damit wäre ein Open Source-Release nicht möglich gewesen.

Wieviel Arbeit hat die „CC-Anpassung“ des Films gekostet? Wie seid Ihr bei den problematischen Musik-Passagen (Autoradio, etc) vorgegangen?

Tom: Da ich sowieso den halben O-Ton komplett rekonstruieren musste, weil mir der Kluge immer nur grandioses Rauschen und Windschlagen abliefert, war das meine kleineste Sorge. In der Phantom Dog-Passage lief zum Beispiel diese herrlich schwülstige Sony-Musik, womit natürlich auch der Dialog des Texaners unbrauchbar wurde. Ich rief dann einen Kumpel aus Belgien an, die können dort sowieso alle nicht vernünftig sprechen – super geeignet also, um einen Texaner zu dubben.

Ihr habt auf Eurer Webseite berichtet, dass nur einen Tag nach Bekanntgabe der CC-Lizensierung Eurer Film plötzlich in den Medien stand. War das für Euch nicht nur ein Beweis für die Möglichkeiten alternativer Modelle sondern sogar eine grundlegende Einstellungsänderung zu Themen wie Teilen, Partizipation, kollektives Arbeiten?

Stefan: Das war auf jeden Fall Richtungsweisend. Natürlich wurden wir auch fies gedisst, damit muss man auch erst mal umgehen lernen, man ist ja nicht unbedingt gewöhnt, dass man übel beschimpft wird, wenn man jemanden beschenkt. Andererseites kamen dann etwa auch schon mal Privatspenden von bis zu 1.000 € rein – das hat mir die netzpolitische Relevanz des Releases deutlich gemacht. Ich hatte diesen Spirit zwar schon während meiner Homecomputerzeit verinnerlicht, aber eher im Zusammenhang mit Software – Free Culture war auch mir einigermassen neu.

Wenn „Route 66“, wie ursprünglich vermutet, eher ein Geheimtipp geworden wäre, wärt Ihr das nächste Projekt dennoch auf die gleiche Art (also als open Source) angegangen?

Stefan: Dann wäre es wahrscheinlich nie zu einem Folgeprojekt gekommen. Ich würde jetzt als Informatiker im Geld schwimmen und für Banken oder Institute arbeiten.

Bei „Route 66“ habt ihr eine umgekehrte Verwertungskette verwendet, bei der das Kino an letzter Stelle steht. Was ist die Logik hinter dieser Herangehensweise?

Stefan: Das Netz wirkt in diesem Zusammenhang wie ein Meinungsverstärker: was im Netz begehrt ist, für das ist auch offline Bedarf da. Wenn sich ein Film im Netz bewährt hat, könnte er auch für ein TV-Publikum taugen. Was im TV gut läuft, ist möglicherweise als Kinofilm machbar. In gewisser Weise war das schon immer so, nur wird es bei Internet-Produktionen nicht von den Produzenten entschieden, sondern von den Zuschauern. Das wird langfristig sicher auch die Fernseh- und Kinowelt verändern. Abgesehen von Blockbustern werden die Perlen in Zukunft wohl zuerst im Netz auftauchen.

Die letzte Droge“ hat 300.000 Euro gekostet. Wie kommen solche gigantischen Summen überhaupt zustande?

Stefan: Die 35.000 € Einnahmen aus „Route 66“ waren ein hilfreicher Start, alle weiteren Gelder haben wir privat quersubventioniert – das war möglich, weil alle im Kernteam als Freiberufler schaffen, d.h. jeder Monat Arbeit am Film wurde mit x Monaten schaffen an anderen Projekten herausgearbeitet. Dadurch hat die Produktion allerdings auch 5 Jahre gedauert.

Die Unterhaltungsindustrie behauptet ja gerne, dass Filme wie „X-Men“, mit Millionenbudgets, in einer urheberrechtsfreien Welt nicht mehr möglich sein werden. Unanbhängig von der Wertigkeit und Notwendigkeit solcher Filme – wie ist Eure Meinung dazu?

Stefan: Kurzfristig ist das sicherlich so. Ich kann mir langfristig allerdings auch Open Source-Blockbuster vorstellen. Wenn die Wikipedias und Firefoxes zu Spenden aufrufen, dann kommen in kurzer Zeit Millionenbeträge zusammen. Und das Bewegtbild steht, zumindest was die Geschäftsmodelle angeht, im Netz ja praktisch erst in den Startlöchern.

Einer Eurer ersten Sponsoren war Tommi Jannot. Wer ist er? Wie kam der Kontakt zustande?

Stefan: Tommi war damals Chef eines Lifestylemagazins. In dieser Position wirst Du natürlich dauernd von Künstlern behelligt, aber wir waren die Einzigen, die VEB FILM Leipzig heissen – Tommis Heimatstadt, aus der er in den 80ern floh. Wir stellten dann fest, dass wir eine Schwäche für merkwürdige Fahrzeuge teilen – vor der Leipziger Oper wäre ich in einer Linkskurve bei 60 fast aus seinem 7er geflogen, weil die Türelektronik seit Monaten im Arsch war. Ein paar Wochen vorher segelte ihm auf der A8 sein 5.000 € Laptop davon, als er mit seiner Hayabusa die 300er Marke geknackt hatte. Da fand er unsere Geschichten vom „mit 160 Sachen durch das Naturschutzgebiet tobenden und dabei fast einen halben Liter pro Kilometer schluckenden, roten Panzer“ natürlich auch witzig.

Welche konkreten Vorteile ergaben sich für „Die letzte Droge“ aus der open Source Herangehensweise? Ist es beispielsweise einfacher, für ein CC-Filmprojekt Geld und Helfer zu finden als für ein traditionelles?

Stefan: Sehr viel einfacher. Durch den freien Netzrelease können wir eine mittelfristige Reichweite von mehreren Millionen Zuschauern garantieren – das ist für einen Low Budget-Film anders praktisch unmöglich. Und damit wird er für Sponsoren und die Presse überhaupt erst interessant. Hinzu kommt, dass Die Letzte Droge das derzeit aufwendigste Open Source-Spielfilmprojekt ist, damit bekommt das ganze für das Team auch noch eine filmhistorische Dimension.

Wie geht Ihr die Marketing-Kampagne für „Die letzte Droge“ an? Ihr habt fünf Jahre in „Die letzte Droge“ investiert. Was wäre für Euch die schönste Belohnung für die harte Arbeit?

Stefan: Ich werde mich darauf konzentrieren, dass der Film als Open Source Film tatsächlich genutzt wird: dass Remixe, neue Sounddesigns und Übersetzungen entstehen und Dinge passieren, die ich mir jetzt noch nicht vorstellen kann. Cool wäre es, wenn mir dann in 15 Jahren meine Tochter eine japanische Manga-Version des Films zeigt.

Links: „Route 66“ · „Die letzte Droge

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